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Aktuelle Meldungen

Stolpersteine in Mainz

Ein laufendes Projekt des Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz sowie dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. ist der Aufbau einer neuen Stolperstein-Homepage. Über diese werden künftig die Biografien sowie historische Aufnahmen, Quellen und Dokumente abrufbar sein, die sich hinter den Mainzer Stolpersteinen verbergen. Eine eigene Stolperstein-Homepage mit ersten Biografien wurde im Rahmen der Jüdischen Kulturtage 2020 am 12. November, ab 17:30 Uhr virtuell vorgestellt.

Zur Website gelangen Sie über folgenden Link: https://stolpersteine-mainz.de 

Gedenktag am 9. November

Der 9. November ist ein wichtiges und zugleich in seiner Bedeutung und in der Erinnerungskultur ambivalentes Datum, ja er gilt vielen als der "Schicksalstag" der deutschen Geschichte. Er markiert in der November-Revolution 1918 mit der Ausrufung der Republik den Beginn der Weimarer Demokratie; er ist die von den Nationalsozialisten rituell gefeierte Erinnerung des (gescheiterten) Hitler-Ludendorff-Putsches 1923 in München und in deren Folge Ausgangs- und Höhepunkt der von München aus inszenierten November-Pogrome 1938 und schließlich der Tag der Öffnung der innerdeutschen Grenze, des Mauerfalls am 9. November 1989, der zum weltweiten Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands wird.

Heute wollen wir vor allem an das Novemberpogrom 1938 erinnern, als auch in Mainz und Rheinhessen die Synagogen brannten, Geschäfte und Privathäuser im Besitz jüdischer Menschen geplündert und zerstört, jüdische Bürgerinnen und Bürger gedemütigt, misshandelt, verhaftet und ermordet wurden. Die reichsweite Bilanz des Pogroms war erschreckend: mehr als 1.400 ausgebrannte und geplünderte Synagogen, über 170 zerstörte Wohnhäuser, ca. 1.300 bis 1.500 Tote, über 30.000 Verhaftungen jüdischer Männer, von denen rund 1.000 die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald nicht überlebten oder später an den Folgen der Haft starben. Die Ereignisse in Mainz schildert der folgende Beitrag: Als die letzten Hoffnungen verbrannten von Hans Berkessel.

Zugleich möchten wir zur virtuellen Lesung mit Reiner Engelmann einladen, die ab 18.00 Uhr stattfindet und in die man sich mit dem folgenden Link einwählen kann: www.magentacloud.de/share/t8f614ld7x. Außerdem lohnt sich ein Blick in die SWR-Landesschau Rheinland-Pfalz auf SWR3 ab 1845, in der ein Beitrag mit Reiner Engelmann gesendet, bei dem es u. a. auch um seine Auschwitzfahrten geht.


Vortragsreihe zur Mainzer Republik - Entfällt

In der am 1. Oktober eröffneten Ausstellung „Auf dem Weg zur modernen Demokratie – Die Mainzer Republik“ beleuchten das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. (IGL) und die Stiftung Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz Mainz die Geschichte der kurzlebigen Mainzer Republik, die anfängliche Begeisterung, den Verlauf und die Schwierigkeiten der Revolutions- und Freiheitsenthusiasten. Die Schau beschäftigt sich auch mit den Gründen für das Scheitern dieses ersten demokratischen Versuchs und den Folgen für die beteiligten Revolutionäre. Dabei werden die kontroversen Debatten über die Wahrnehmung und Bedeutung der Mainzer Republik in der deutschen sowie europäischen Demokratiegeschichte und Erinnerungskultur dargestellt. Die Geschichte der Freiheitsbäume als politisches Symbol der Revolution wird ebenfalls thematisiert.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Januar 2021 von Außen durch die großen Panoramafenster der Schule des Sehens, Jakob-Welder-Weg 18, zugänglich. Weitere Informationen erhalten Sie im Flyer.

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen mit dem Virus Covid-19 sowie dem Beherbergungsverbot unserer Referent*innen, muss die ausstellungsbegleitende Vortragsreihe im Oktober leider entfallen.

„75 Jahre Kriegsende“

„Zerstört, besiegt, befreit – Mainz 1945“, so lautete der Titel einer Ausstellung des Mainzer Stadtarchivs, mit der im Jahre 2005 zum 60. Jahrestag an die Zerstörung der Stadt Mainz und das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert werden sollte. Nun 15. Jahre später zum 75. Jahrestag, zu einer Zeit also, in der nahezu alle Zeitzeugen verstorben sind, stellt sich die Aufgabe einer angemessenen Erinnerung den nächsten Generationen aufs neue, wenn auch auf andere Weise.

In diesen Tagen wird in Büchern, Zeitungen/Zeitschriften und im Fernsehen mit vielen Beiträgen insbesondere an die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges erinnert. In Mainz steht traditionell das Erinnern an den letzten großen Bombenangriff am 27. Februar 1945 im Zentrum, bei dem ca. 80 Prozent der Innenstadt völlig zerstört wurde und rund 1.200 Menschen den Tod fanden. Der 8. Mai 1945 als offizielles Datum der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht (wenige Tage nach dem Selbstmord des „Führers“ Adolf Hitler am 30. April) hat sich in Mainz weniger ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben, vielleicht weil für die Mainzer Bevölkerung der Krieg schon am 22. März mit dem Einmarsch der Amerikaner zu Ende war. Als Befreiung von der bedrückenden Herrschaft des verbrecherischen NS-Regimes, als Ende des mörderischen Krieges, mögen auch diejenigen das Kriegsende empfunden haben, die lange Zeit überzeugte Anhänger oder Mitläufer der NSDAP waren.

Markt (7), Kriegszerstörung 1942/45[Bild: ]

Wie schon anlässlich früherer Gedenktage besteht auch heute die Gefahr, dass dabei der Fokus allein auf die unter dem Bombenkrieg leidende deutsche Zivilbevölkerung der Mehrheitsgesellschaft gerichtet und das Leid sowohl der Bevölkerung der zuvor von Hitler-Deutschland überfallenen Länder, als auch der in Deutschland während des Krieges aus unterschiedlichen politischen und rassistischen Gründen verfolgten Minderheiten und z.B. der Zwangsarbeiter*innen ausgeblendet wird. Immer wieder versuchen insbesondere rechtsextremistische und rechtspopulistische Gruppierungen die Empathie für die deutschen (und Mainzer) Opfer des Bombenkriegs für ihre politischen Ziele zu missbrauchen. 

Es bleibt also wichtig, immer wieder auf den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Errichtung der NS-Diktatur und dem von Deutschland in den europäischen Nachbarländern begonnenen und dann nach Deutschland zurückkehrenden Krieg hinzuweisen.

Wir tun dies, indem wir hier auf eine gemeinsam vom Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. und dem Stadtarchiv Mainz im Auftrag der Stadt Mainz herausgegebene Publikation hinweisen und daraus das Herausgeber-Vorwort und den Text des renommierten Jenaer Zeithistorikers Prof. Dr. Norbert Frei zur Verfügung stellen.

Hans Berkessel (Hrsg. im Auftrag der Stadt Mainz, des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. und des Stadtarchivs Mainz): „Die Gegenwart der Vergangenheit“ – Dokumentation anlässlich des 60. Jahrestages der Zerstörung der Stadt Mainz und des Endes des Zweiten Weltkrieges: 27. Februar 2005 - 27. Februar 1945, Mainz 2005, 82 Seiten, ISBN: 1435-8026, Sonderpreis: 5,00 €.

Das Heft kann unter kontakt@sozialgeschichte-mainz.de bestellt oder über den Buchhandel bezogen werden.

 

Foto: Blick vom Dom auf die zerstörten Häuser der Innenstadt, besonders Markt, Schusterstraße und Umgebung, nach dem 27.02.1945. Bildmitte: St. Quintin, (c) Heinrich Doerr.

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