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Ab Band 16 der Mainzer Geschichtsblätter: Bitte bestellen Sie diesen Band über die Verlagsseite.

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23.01.2022, 11.00 Uhr Rundgang Auf den Spuren des Nationalsozialismus durch Mainz Weitere Informationen

Neue Publikation: „Blickpunkt Schule – Entwicklungen in Mainzer Schulen im historischen Kontext“

Am 29. November 2021 erscheint unser 16. Band der Mainzer Geschichtsblätter „Blickpunkt Schule – Entwicklungen in Mainzer Schulen im historischen Kontext“.

Schulen sind ein unmittelbarer Spiegel des gesellschaftlichen und vor allem politischen Zeitgeschehens mit enormer Wirkung auf alle Lebensbereiche. Es lohnt sich also anhand zahlreicher Fragestellungen die strukturelle und personelle Entwicklung von Bildungsanstalten in der Geschichte der Stadt Mainz genauer zu betrachten. Was hieß es für ein Mädchen, im Frühjahr 1933 Abitur zu machen? Wie wurden Reformschulkonzepte in Mainz entwickelt und umgesetzt? Warum entstanden Realgymnasien neben den traditionellen humanistischen Gymnasien? Welchen Einfluss hatte ein von der NS-Ideologie überzeugter Lehrer auf seine Schüler? Warum lehnten die Rheinhessen 1947 die Schulartikel der rheinland-pfälzischen Verfassung ab?
Die Beiträge in diesem Sammelband beantworten diese Fragen und zeigen beispielsweise, wie der Reformschulgedanke, beginnend mit fortschrittlichen Volksschullehrern im Kaiserreich und die Idee einer demokratischen Schule, auch in Mainz eine Blüte in den Jahren der Weimarer Republik erlebten, bevor sie 1933 in der Diktatur wieder erstickt wurden. Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis die Ideen von gleichen Bildungschancen für alle Kinder in der Debatte um die Gründung von Integrierten Gesamtschulen wieder aufgegriffen wurden.

Über die Verlagsseite kann der Titel ab sofort bestellt werden.
Mainzer Geschichtsblätter 16: „Blickpunkt Schule – Entwicklungen in Mainzer Schulen im historischen Kontext“, 2021, 184 S., ISBN 978-3-96176-168-5, EUR 18,-

Neue IGL-Publikation „‘Schreie auf Papier'. Die Briefe von Heinrich und Selma Wolff aus Mainz an ihre Söhne Herbert und Helmut in New York 1937-1941“ erhältlich

Cover "Schreie auf Papier"[Bild: NA-Verlag]

Der 4. Band der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz“ stellt die nahezu vollständige Biografie der Familie Wolff vor und entreißt diese so dem Vergessen. Beispielhaft gibt er hunderttausenden jüdischer Familien eine Stimme. Die Publikation ist im Buchhandel sowie über den Nünnerich-Asmus-Verlag erhältlich. IGL-Mitglieder können das Buch für 18,00 Euro beim IGL erwerben. 

Raymond Wolff, Martina und Hans-Dieter Graf, Hans Berkessel (Hg.): „Schreie auf Papier.“ Die Briefe von Heinrich und Selma Wolff aus Mainz an ihre Söhne Herbert und Helmut in New York 1937-1941 (Beiträge zur Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz Band 4), 280 Seiten. 60 Abbildungen, Nünnerich-Asmus-Verlag Dezember 2021, € 25,00, ISBN: 978 3 96176 139 5.

„Nun werden wir feste an unserer Auswanderersache arbeiten, in der Hoffnung, unser Ziel zu erreichen.“ (Brief vom 5. Mai 1941)

Diese Zeile stammt aus einem der letzten von zahlreichen über Jahre, meist wöchentlich mit den Kindern in den USA ausgetauschten Briefen von Selma und Heinrich Wolff. Der nahezu komplett erhaltene Briefwechsel dokumentiert den Niedergang einer rheinhessischen jüdischen Familie bis hin zur Deportation und Ermordung. Er stellt ein seltenes Zeitdokument dar, das authentische Einblicke in die letzten Lebensjahre einer jüdischen Familie im Holocaust gewährt.

Das exemplarisch dargestellte Leben der Familie wird in der historischen Einführung "Antisemitismus als Staatsdoktrin" in den Kontext der mit der Machtübernahme des NS-Regimes systematisch betriebenen staatlichen Verfolgungspolitik gestellt, die mit einer kaum vorstellbaren Anzahl von Gesetzen und Verordnungen den Lebensraum jüdischer Deutscher immer mehr einengte, bis nur noch die immer schwierigere und nach Beginn des Zweiten Weltkrieg nahezu unmögliche Flucht aus Europa blieb. Am Ende stand dann die Deportation und Ermordung in einem der Vernichtungslager im von Deutschen besetzten Polen. 

Selma und Heinrich Wolff, eine alteingesessene jüdische Familie, die ihren Lebensunterhalt als angesehene Händler mit Wein und landwirtschaftlichen Produkten verdienten, mussten 1937 ihr Haus und später ihre Ländereien in Nackenheim/Rheinhessen verkaufen und nach Mainz in die Kaiserstraße umziehen. Sie führten mit ihren Söhnen Herbert und Helmut seit deren Emigration in die USA im April 1937 bzw. Juni 1938 einen regen Briefwechsel. Die nahezu vollständig überlieferten Briefe der Eltern an ihre Kinder verdeutlichen exemplarisch, wie sich die Lebensverhältnisse jüdischer Menschen in der Zeit der NS-Diktatur immer mehr verschlechterten. In den Briefen tritt das Alltagsleben zunehmend weiter zurück, und am Ende geht es nur noch um die Flucht ins rettende Ausland. Auch die Schicksale von Verwandten und Bekannten geraten in den Blick. 

Wir danken allen, die an diesem Werk mitgewirkt und es in einem aufwändigen Prozess gestaltet haben, Raymond Wolff, der die Briefe und Fotos seiner Großeltern aufbewahrt und für die Publikation zur Verfügung gestellt hat, Martina und Hans-Dieter Graf, die sie in sorgfältiger Arbeit transkribiert und kommentiert haben, sowie den Archiven und privaten Leihgeber*innen, die uns weitere Abbildungen und Dokumente zur Verfügung gestellt haben.  

Unser Dank gilt auch allen Institutionen, die durch ihre ideelle und finanzielle Unterstützung den Druck dieses Buches ermöglicht haben: Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, der Stadt Mainz, dem Landkreis Mainz-Bingen, der Landeszentrale für politische Bildung und der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey und der Körber-Stiftung sowie der Verbandsgemeinde Bodenheim und der Ortsgemeinde Nackenheim. Allen Verantwortlichen sei hiermit herzlich gedankt.

Plädoyer für eine Umbenennung der Hindenburgstraße in Sali-Levi-Straße

Eine der schönsten Straßen unserer Stadt trägt immer noch den Namen eines Militärs und Politikers, dessen verhängnisvolle Rolle in der Endphase des Ersten Weltkriegs und dessen Beitrag zur Destabilisierung und endgültigen Liquidierung der Weimarer Republik von der Wissenschaft längst nicht mehr angezweifelt wird. 1916, als die Bonifazius- in Hindenburgstraße umbenannt wurde, galt Hindenburg als großer Kriegsheld. Heute ist seine Ehrung in Form von Straßen- bzw. Platznamen nicht mehr zeitgemäß.

Warum sind wir für die Umbenennung? Es geht nicht darum, Straßennamen zu tilgen, nur weil die seinerzeit damit geehrten Persönlichkeiten aus heutiger Sicht demokratischen Ansprüchen nicht genügen können. Dennoch sollte es einer modernen Gesellschaft, für die etwa die Achtung der Menschenrechte eine Selbstverständlichkeit ist, nicht egal sein, wer oder was im öffentlichen Raum eine Ehrung erfährt. Viele Straßennamen sind sofort nach der Befreiung 1945 verschwunden, bei anderen – und dies gilt auch für Hindenburgstraßen und -plätze – war die Zeit für eine kritische Betrachtung lange nicht reif. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Schon viele Städte, darunter Münster, Freiburg, Darmstadt und Trier haben sich für eine Umbenennung entschieden. 

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Flyer.